Was ist Shareconomy?

Das Leitthema der diesjährigen CeBIT 2013 lautet "Shareconomy". Was ist unter diesem Kunstwort zu verstehen? Verteilte Wirtschaft? Geteilte Sparsamkeit?

Nachdem sich Technologien wie Cloud Computing, Social Networks und E-Commerce immer weiter im Alltag der Menschen verfestigt haben, verschiebt sich die Aufmerksamkeit mehr und mehr zu den eigentlichen Inhalten. Hier hat sich in den letzten Jahren eine besondere Form der Interaktion herauskristallisiert.

Das Teilen. Englisch: to share.

Der Begriff wurde insbesondere von Facebook getrieben. Dort wurde der kritische Vernetzungsgrad an Menschen erreicht und Facebook nannte den Austausch von Bildern, Texten, Videos und allen anderen erdenklichen Inhalten: Teilen.
Allerdings betrifft das mittlerweile nicht nur das Teilen von Info-Happen im Web oder Firmenwissen, das zweitnaheliegendste Gut, das sich teilen lässt. Geteilt wird mittlerweile alles, was Menschen bewegt:

Arbeit zum Beispiel. Soziale Netzwerke ermöglichen eine ganz neue Form der Zusammenarbeit. Losgelöst von Standort und Arbeitszeit können freie und festangestellte Mitarbeiter, Agenturen und Kunden, Lieferanten und Entwickler gemeinsam an Projekten arbeiten. Gezielte Aufteilung in Arbeitspakete, die auf entsprechende Spezialisten im Arbeitsablauf zugeschnitten sind, vereinfacht die Kollaboration und macht Prozesse transparent und beherrschbar.

Die Möglichkeiten der verteilten Zusammenarbeit machen bei marktwirtschaftlichen Unternehmungen nicht halt. Besonders auch NGOs und Wohltätigkeitsorganisationen profitieren von den neuen Möglichkeiten oder entstehen überhaupt erst durch sie.

 foodsharing.deist so eine Plattform des Teilens. Die Webplattform des Nachhaltigkeits-Filmemachers Valentin Thurn (Taste the Waste) dient als Sharing-Plattform für Lebensmittel. Menschen, die Nahrungsmittel übrig haben, können diese bei foodsharing.de anbieten, an andere Menschen weitergeben und die Lebensmittel so vor dem Abfalleimer bewahren.

Auch Start-Up Unternehmen werden geteilt

Damit sind wir schon sehr nah am eigentlichen Begriff Shareconomy dran: Auf Crowd-Funding Plattformen wie Kickstarter.com, Indiegogo.com oder dem deutschsprachigen Pendant startnext.de teilen Entrepreneure ihr Unternehmensprojekt mit Mikro-Investoren und erhalten so Kapital für die Umsetzungs ihres Projektes. Die "Investoren", die mit verhältnismäßig geringen Beträgen ein Projekt fördern können, erhalten je nach Vorgabe des Projektteams von Ruhm und Ehre über die erste Serie produzierter Waren bis hin zu Gewinnbeteiligungen.

Seinen eigenen Begriff für die "Shareconomy" hat Gary Vaynerchuk geprägt, der den lokalen Weinladen seiner Eltern innerhalb weniger Jahre durch konsequentes Teilen von Weinwissen in seiner WebTV-Show zu einem Online-Handelsunternehmen ausbaute, das zweistellige Millionenumsätze im Jahr einfährt. Gary prägte den Begriff "Thank you Economy".

Eine fast schon "antike" Form der Wirtschaft des Teilens (zumindest in Internet-Maßstäben) ist Car-Sharing. Mobilität als Grundbedürfnis des modernen Menschen kann mittlerweile abgedeckt werden, ohne zwangsläufig ein eigenes Auto besitzen zu müssen. Diesen Trend haben mittlerweile auch bereits Autohersteller wie die DAIMLER AG erkannt. Sie sammeln mit Car-Sharing-Diensten wie Car2Go.de erste weltweite Erfahrungen, um mit einer Kombination von echten Gütern (Autos) und der Infrastruktur zum Teilen (Smartphone-App, GPS-Sender in Autos und Web-Dienst zur Lokalisation) die Bedürfnisse der Kunden von Morgen zu befriedigen.

Besitzen weicht immer mehr dem Teilen

Auch Güter, die nur sporadisch genutzt werden und keine hohe persönliche Bindung hervorrufen, werden durch Web-Dienste wie neighborgoods.net teilbar. Durch vergleichbare Dienste könnten in Zukunft ganze Stadtteile vernetzt und über eine Kultur des Teilens mit Gütern versorgt werden.

Sie haben eine Leiter, einen Schlagbohrer, eine Nähmaschine, die Sie nicht täglich brauchen? Sie bieten diese Gegenstände bei nieghborgoods.net zum Leihen an und können selbst Geräte ausleihen, statt sie für einmaligen Gebrauch kaufen zu müssen.

Selbst Produktionspläne für die echte Welt werden bereits geteilt. 3D-Drucker, die an einen Computer angeschlossen aus einem CAD-Bauplan und einer Kunststoffmasse echte Gegenstände produzieren, sind bereits Realität. Momentan kommen diese Geräte noch selten über einen Bastler-Status hinaus, doch die Verbesserung und Weiterentwicklung ist kaum aufzuhalten. Die 3D-Drucker können bis zu einem bestimmten Grad sozusagen Kopien von sich selbst erstellen, indem die benötigten Teile aus Kunststoff nachproduziert werden.

Ein Vater aus den USA hat für seinen Sohn im 3D-Programm Bausteine entwickelt, mit denen sich unterschiedliche Spielzeug-Systeme wie LEGO, Fishertechnik, K'Nex und Tinkertoy verbinden lassen. Diese Pläne für diese Bausteine können frei aus dem Web heruntergeladen und mit einem 3D-Drucker ausgedruckt werden.

Was die Shareconomy für unser bisheriges Wirtschaften bedeutet, wird die Zukunft zeigen. Vermutlich werden Unternehmen immer mehr zu Plattform-Anbietern und teilen sich die Arbeit mit dem mit-produzierenden Konsumenten. Dem Prosumenten.

Bei comspace sehen wir vor allem, wie Content Management sich immer weiter von der reinen Online-Welt in die anfassbaren Bereiche des Lebens vorarbeitet.

Wir wünschen Ihnen eine spannende CeBIT und freuen uns auf Ihren Besuch bei uns am e-Spirit Stand G32 in Halle 6.