Content Marketing - auch eine Bielefelder Tradition seit 1891

Gerne wird von Kollegen aus den USA John Deere als einer DER Pioniere des Content-Marketing angeführt. Schließlich hat der heutige Traktoren-Hersteller bereits 1895 auf Inhalte gesetzt, da er sich teure Werbung nicht leisten konnte: Deere bot Pflug-Seminare für Farmer an und startete das Farmer-Magazin "The Furrow", das heute mit 1,5 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Agrar-Publikation der Welt ist.

Sicherlich haben wir es hier mit einer der traditionellsten und nachhaltigsten Kampagnen des Content Marketing zu tun. Doch: In comspace' Heimatstadt Bielefeld gibt es einen weiteren Vorreiter des Content Marketing, der sogar 2 Jahre vor dem amerikanischen Landmaschinen-Hersteller damit begann, seine Produkte mit Service-Informationen attraktiver zu machen:

Der Lebensmittel-Hersteller Dr.Oetker.

Oetkers Geschäftsmodell bestand 1891 darin, Backpulver für die Hausfrau anzubieten. Andere Hersteller hatten das Küchen-Hilfsmittel bereits in Packungsgrößen am Markt, die professionelle Anwender wie Bäckereien und Großküchen ansprachen. Der Bielefelder Apotheker Oetker hingegen entwickelte sein eigenes Produkt "Backin" und bot es in praktischen Kleinverpackungen zu 10 Pfennigen an, mit denen die Hausfrau arbeiten konnte und dafür genau 500g Mehl verarbeitet hat.

Das Content Marketing kam dann auf der Backpulver-Tüte ins Spiel:

Dr. Oetker - Backin RezeptAuf jedem Tütchen "Backin" waren Rezepte aufgedruckt, die den Einsatz des neuen Produktes noch einfacher machten. Oetker verstand es bereits früh, seine Produkte durch umfangreiches Wissen aufzuwerten, das er gemeinsam mit seiner Frau Caroline in der ersten Versuchsküche entwickelte. So konnte er sich bei seinen Kunden als Experte positionieren und durch zahlreiche Versuche mit seinem Produkt das Markenversprechen der "Gelingsicherheit" geben. Dadurch entstand neben Vertrauen in die Marke vor allem ein zusätzlicher Nutzen zum eigentlichen Produkt. Und dabei blieb es nicht.

(c) Dr. Oetker

Vom "Backin"-Tütchen zum Kochbuch-Verlag 

Dr. Oetker Schulkochbuch1911 - also 20 Jahre nachdem Oetker gestartet war, erschien das erste Dr.Oetker Schulkochbuch. Geschrieben von einer Bielefelder Haushaltslehrerin, die ihre Erfahrungen aus einer Kochschule mit einbrachte, gab das Werk bereits damals Tipps zur Haushaltsführung, über die Lagerung von Lebensmitteln bis hin zur Finanzplanung und Organisation des Alltags: „Der Mann, welcher mit zu magerer Kost ernährt wird, greift fast stets zum Branntwein, um sich zu erwärmen, besonders dann, wenn er außerdem noch einen unordentlichen, ungemütlichen Haushalt vorfindet.“

Als das Schulkochbuch 2011 seinen 100. Geburtstag feierte, galt es mit 19 Millionen verkauften Exemplaren als das meist verkaufte Kochbuch der Welt. Es ist sowohl Einstiegswerk für Koch-Anfänger als auch Nachschlagewerk für erfahrene Köchinnen.

(c) Dr. Oetker Verlag

Aus dem erfolgreichen Einzelwerk entwickelte sich in den 20er Jahren zudem eine eigene Verlagsanstalt.

Persönliche Wissensvermittlung

Neben dem geschriebenen Wort setzte man bei Oetker ab den 20er Jahren auch auf die persönliche Wissensvermittlung. Ganz ähnlich wie John Deere mit seinen Pflug-Seminaren Landwirte für seine Produkte begeistern konnte, ließ Oetker in jeder größeren Stadt Kochkurse durchführen, in denen KundInnen die Produkte des Unternehmens kennen und den Umgang mit ihnen lernen konnten. In Großstädten gab es sogar erste Ansätze von Cross-Marketing mit der Firma Henkel: Gemeinsam wurden sog. Oetker- und Persilschulen eingerichtet.

Kundenbindung resultiert aus Kundeninformation. 

Welche Formen des Content Marketings werden bei Dr. Oetker in Bielefeld heute betrieben?

Was findet sich heute im Content-Marketing-Portfolio neben den immer noch mit Rezepten bedruckten Backin-Tütchen und einem umfangreichen Sortiment an Koch- und Backbüchern bei Dr. Oetker? Wir haben bei der Unternehmenszentrale in der Bielefelder Lutterstraße nachgefragt:

Wie können Sie Ihren Kunden einen Mehrwert durch Ihr Wissen bieten?

Vom Bielefelder Traditions-Unternehmen können wir vieles lernen:  

Vor allem aber, wie sich das Hintergrund-Wissen zu den eigenen Produkten nutzen lässt, um dem Kunden Mehrwert zu bieten und dabei zu unterstützen, die Produkte so erfolgreich wie möglich einzusetzen.

Sicher können wir nicht alle mit innovativen Koch- und Back-Rezepte dienen. Aber wie sieht es mit White-Papern aus? Checklisten bei der Umsetzung von Projekten? Unterhaltsamen Anwendungs-Anleitungen und Hintergrundberichten zur Produktion bis hin zu Best-Practice-Beispielen von erfolgreichen Kunden?